Visiting Artist & Highfire #6

Am Donnerstag war ein visiting artist da. Das sind Künstler, die die Kunsthochschule besuchen, meist einen Vortrag über ihre Arbeit halten und dann manchmal sogar noch eine Demo von einer Technik geben, die sie selbst erfunden haben oder supergut beherrschen. Der Künstler der jetzt da war heißt Gary Erickson und wurde von den Keramikmenschen eingeladen. Er arbeitet in Minnesota und fährt jeden Sommer nach Jingdezhen in China. Das ist nämlich die Keramikhauptstadt. Man hat dort das erste Porzellan hergestellt und weil der Scherben nach dem brennen so weiß war hat der Kaiser den Besitzer des Unternehmens kurzerhand enteignet und die Produktion ausschließlich auf kaiserliche Vasen und sonstige Gefäße eingeschränkt. Jedenfalls ist das Keramikgeschäft dort auch heute noch am boomen. Für jeden Schritt in der Herstellung eines Gefäßes oder einer Skulptur gibt es dort familiengeführte Betriebe. So kann man beispielsweise jemanden dafür bezahlen die Skulptur zu brennen, einen anderen um sie zu glasieren und selbst für die Gussformen gibt es jemanden, der gegen ein geringes Entgelt eine Gussform von dem herstellt, was man mitbringt. Die Idee alle diese Schritte selbst zu gehen und ein Stück von Anfang bis Ende selbst zu fertigen sei eine ausländische sagt Gary. Nach seiner Aussage wäre diese Arbeitsteilung dort nicht nur üblich sondern auch Tradition. Auch gibt es dort eine besondere Technik Vasen zu Werfen die mehrere Meter hoch sind. Sie werden aus Einzelstücken zusammengesetzt, die zwei bis fünf Menschen auf der Töpferscheibe ZUSAMMEN drehen. Sieht verrückt aus! Die Stücke werden dann im trockenen (nicht im lederharten!) Zustand mit Schlicker zusammengesetzt und mit einem superscharfen Messer getrimmt. Jedenfalls habe ich viel Interessantes über Töpferei und die Stadt erfahren. Gary selbst nutzt eine Technik, bei der mit Underglaze-Decals auf rockenen aber nicht geschrühten Ton gedruckt wird. Dazu verwendet er Decals (Sticker) die er in Jingdezhen gekauft hat. Er hat, wie ich auch, versucht diese Sticker selbst herzustellen, ist aber bisher auch gescheitert. In der chinesischen Keramikhauptstadt verwendet man wohl geätzte Kupferplatten, um die Unterglasur auf ein dünnes Gampipapier zu übertragen. Dadurch bleibt die Unterglasur dicker auf dem Papier hängen und man kann sie dann besser auf den Ton übertragen. Man kann diese Unterglasursticker auch ausschließlich in China kaufen, hier in den USA findet man sie selbst online nicht. Glücklicherweise hat Gary ordentlich viele Papiere in China eingekauft und sie nach seiner Demo für 2 und 2.50  $ das Stück verkauft. Er betreibt außerdem eine Website auf der man die Sticker ordern kann.20160303_140100 Für all mein Geld (17,50) habe ich dann natürlich postwendend bei ihm eingekauft und heute einige der Sticker auf meinen getrockneten Ohrrinrohlingen ausprobiert. Habe mir nämlich auch einen Ohrringständer für in den Ofen gekauft, der es bis zu Temperaturen bei Cone 10 aushalten soll. Bin gespannt ob das stimmt, und ob wie meine Ohrrigne aussehen werden.

Zudem habe ich noch vier meiner nun größeren Tassen Henkel verpasst (s.u.) und dem Ofen von dem 6ten Highfire entladen. Darin waren auch meine Mini-Tassen. Die eigenen sich für Espresso oder als Puppenhausinventar. Meine neu gemischte Glasur, Winnie Blue ist diesmal ganz wunderbar herausgekommen und auch meine Drucke sind nicht schlecht geworden. Der Steingut-Ton gefällt mir von außen im rohen Zustand zwar ganz gut, aber leider reagieren viele Glasuren anders auf ihm als normalerweise. Glücklicherweise hat aber mein Experiment die Innenseite der Schüssel mit flüssigem Porzellan auszuwaschen gut funktioniert. Es verschließt das Steingut komplett und bildet eine schöne weiße Oberfläche zum schrieben oder zeichnen. Ich werde wieder versuchen große Schüsseln zu werfen und sie dann mit dem Porzellan auszuwaschen, sodass ich innen drucken oder zeichnen kann. 20160304_181542
Bevor ich den Ofen entladen habe, habe ich mich mit dem anderen Grads getroffen und das Atelier etwas auf Vordermann gebracht. Meine Schüsseln stehen jetzt auch schon dort. Jedenfalls die meisten.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s