Paul Mullowney Print Demo

Gestern, am Samstag, bin ich zum zweiten Tag der Print Demo in den Printshop gegangen. Der Print-Club hat nämlich Paul Mullowney, einen Künstler aus San Francisco eingeladen. Am Donnerstag hat er einen Artists Talk gehalten und dann am Freitag und Samstag eine Demonstration einer ganz besonderen Drucktechnik. Die nennt sich chine-collé und stammt aus Asien. Da Paul für 10 Jahre in Japan gelebt hat ist sie eine seiner leichtesten Übungen. Er hat alle Materialien (Gampi-, Kozo- und Seidenpapier, sowie Pinsel und Weizenstärkekleber) mitgebracht und uns dann gezeigt, wie man damit im chine-collé Verfahren einen wunderbar detaillreichen Druck herstellt.Zuerst habe ich natürlich meine Platte geätzt. Ursprünglch war ein softground oder vernis-mou Druck geplant, aber im Endeffekt habe ich mich für eine ganz normale Ätzradierung entschieden. Darauf habe ich Ananas gezeichnet und eine Kartoffel. Das gute Stück heißt jetzt “Me in America”. Denn irgendwie erinnern mich Ananas immer an Südkalifornien, Santa Cruz und Surfer.
Damit ich mir alle Schritte der chine-collé Technik merken kann liste ich sie hier auf. Denn ich glaube, dass ich sie in Deutschland noch richtig gut gebrauchen kann. Sie ist gewissermaßen die Lösung zu einem Problem, dass ich daheim mit der Präsenation meiner Drucke hatte.

Schritt 1: Farbe auftragen
Platte mit Farbe einreiben und selbige auswischen.

Schritt 2: Papier zuschneiden
Gampipapier ausschneiden. Das Papier muss dabei zu jeder Seite ca. 2 cm größer sein als die Platte. Platte auf einem kleinen Sockel ablegen, sodass das Papier um die Platte herunterhängen kann.
Platte mit einer Sprühflasche nass sprühen. Papier ebenfalls mit der Sprühflasche besprühen, bis es feucht ist. Gampi anschließend auf die Platte legen, möglichst ohne Luft einzuschließen.Print6Print3

Schritt 3: Kleber auftragen
Aufgekochten und verdünnten Stärkekleber sehr dünn auf das Papier auf der Platte auftragen und dabei mit dem Pinsel alle eingeschlossenen Luftblasen ausstreichen. Vorgang nicht zu oft wiederholen, da das Papier sonst zu sehr beansprucht wird und reißen kann. Bei der Weizenstärke handelt es sich um Jin Shofu, eine sehr feine japanische Weizenstärke, die im Verhältnis 1:3 mit Wasser gemischt und dann aufgekocht wird. Für die Drucktechnik wird die Stärke aber von Glibberkonsistens auf Sahnekonsistenz verdünnt. Papier etwas antrocknen lassen, da es dann einfacher zu schneiden ist. Print4Print8
Ich habe zudem noch collagiert. Auf die Kleberseite habe ich buntes Papier geklebt, dass nachher durch das dünne Gampipapier durchscheinen würde. Dann muss allerdings nochmal eine Kleberschicht über alles aufgetragen werden. HIer meien Kupferplatte mit Gampi und dem gelben Papier.Print2

Schritt 4: Schneiden
Überhang mit einer scharfen Rasierklinge abschneiden. Die Klinge dabei im 45° Winkel zur Platte halten und nur bei den Zugbewegungen schneiden. Ständiges auf und ab funktioniert nicht so gut und sollte daher vermieden werden. Es kann sein, dass man die Klinge zwischendurch wechseln muss, weil sie durch das Schleifen an der Metallplatte schnell stumpf wird.Print7

Schritt 5: Nachbereiten
Mit dem Daumen anschließend alle Härchen aufstellen, die sich um den Plattenrand gelegt haben könnten. Macht man das nicht, löst sich das Papier nach dem Druck nicht gut von der Platte.

Schritt 6: Drucken
Druckpapier (Büttenpapier, wir haben Somerset Satin verwendet) sollte gut gewässert aber nicht nass sondern nur feucht sein. Papier zurecht reißen. Druckplatte mit Papier darauf etwas antrocknen. Ein Föhn wirkt hier Wunder. Das Papier darf sich aber auf keinen Fall von der Platte lösen. Es sollte nur kleine weiße Punkte bekommen, eben so, dass es gerade angetrocknet ist. Platte mit dem Gampipapier nach oben auf die Platte legen. Feuchtes Büttenpapier darüber positionieren. Büttenpapier zwischen Platte und Walze einklemmen, um die Walze legen und während die Platte durch die Walze läuft langsam auf der Gampiplatte ablegen. Viel Druck ist hier sehr wichtig, damit der Druck gelingt! Auf der anderen Seite der Walze den Filz heben und das Büttenpapier über eine Ecke der Platte vorsichtig abziehen. Zum trocknen zwischen dicke Pappen legen oder im Trockenregal trocknen lassen. Langsames trocknen (KEIN Sonnenlicht) ist voraussetzung dafür, dass sich das dünne Japanpapier nicht vom Bütten ablöst.Print5Print9

Man kann aber auch auf Kozopapier oder Gampipapier drucken ohne es auf ein dickeres Papier aufzuziehen. Das Gampipapier muss dann je nach Größe des Abzugs mit Hilfe eines großen Rundholzes von der Druckplatte abgezogen und auf einer mit Shellack bearbeiteten Holzplatte abgelegt werden. Mit einem großen Japanpinsel streicht man es wieder glatt und lässt es für einen Tag trocknen. Dann wird es mit einem dünnen Bambusspatel angehoben und abgezogen. Mit dem Wiezenkleber kann es dann auf der Rückseite eingestrichen werden und wieder mit Hilfe des Rundholzes direkt auf die Wand geklebt werden. Mein Plan ist einen großen drei-Platten-vernis-mou-Druck herzustellen, der dann an der Wand zu einem Druck zusammengefügt wird.

Nach der Demonstration hat Paul uns noch einen seiner Drucke geschenkt und ihn im Druckstudio an die Wand geklebt. Dabei handelt es sich um die Abbildung eines Dämons, der über Haus und Hof wacht. Wir sind gespannt, ob nun keine Unfälle mehr im Druckstudio passieren.
Anschließend waren wir in einem neuen japanischen Restaurant in Chico essen. Es heißt Momona und führt vor allem Ramen (japanische Nudelsuppe), Dampfknödel und kleinere Snacks. Die Nudelsuppe war so gut, dass ich am liebsten gleich nochmal eine Schüssel gegessen hätte. Ich vermute auch, dass es sich um ein nicht ganz japanisches Rezept gehandelt hat, sondern um eine amerikanisierte Version. Ist ja aber auch egal, es war jedenfalls sehr lecker. So lecker:Utaglücklich

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