Langsamreisende

Heute morgen bin ich über einen Blogbeitrag von einem Reiseblogger gestolpert, den ich sehr interessant fand und deshalb hier teilen möchte. Der Artikel heißt Geständnisse eines introvertierten Reisenden.

Zwar kann ich nicht alles so bestätigen, wie es dort geschrieben steht und würde mich auch nicht als besonders introvertiert beschreiben, dennoch hat mir der Artikel irgendwie aus der Seele gesprochen. Es geht darin um das Reisen als Introvertierter, und dass man als solcher anders reist und nicht die Erwartungen erfüllt, die viele andere Menschen an eine Reise haben (zB.: möglichst viele Menschen kennen lernen, möglichst viel feiern, möglichst viel sehen, usw.). Mir geht es in vielen Punkten ähnlich und ich glaube, dass ich mir das langsame Reisen bei einem Jahres- und Studienaufenthalt auch erlauben kann und sollte. Denn das ständigesocializen und small talk halten, wie es im Blog genannt wird, ist wirklich anstrengend und man lernt sowieso schon genug neue Menschen kennen, wenn man hier zur Uni geht.
Als ich neulich Fotos einer Gruppe Austauschstudenten sah, wie sie in der näheren Umgebung wandern und anschließend feiern waren, war mein erster Gedanken: “Mist! Die haben schon diese ganzen Dinge gemacht. Hab ich jetzt was verpasst?”. Das ist ein blöder Gedanke, den man streng genommen gar nicht haben sollte. Ich jedenfalls möchte ihn nicht haben. Und nach kurzem Überlegen habe ich dann auch festgestellt, dass doch so wie es ist eigentlich alles in Ordnung ist und ich nichts verpasse, sondern nur andere Erfahrungen mache. Ich bin eben kein Partytier. Wenn es mich auf eine Party verschlägt, dann kann das schön sein — nicht falsch verstehen — Aber oft sind Partys, gerade in einem Umfeld, in dem man niemanden richtig kennt, eher anstregend für mich. Ich muss keine hundert Menschen in den ersten drei Wochen kennen lernen, besonders deshalb nicht, weil mir von denen wahrscheinlich viele nur auf den Keks gehen werden. Da lerne ich lieber langsam und weniger Menschen kennen, mit denen man auch wirklich warm wird, die interessant sind, die dann auch echte Freunde werden können und mit denen man auch Gesprächt führt, die über den obligatorischen Small Talk hinausgehen. Abgesehen davon ist es hier in Chico wirklich einfach sich heimisch zu fühlen, weil jeder mit jedem einen grundsätzlich freundlichen und interessierten Umgang miteinander pflegt. Das mag oberflächlich sein, ich glaube aber nicht gänzlich daran und selbst wenn dem so ist, trägt es wenigstens dazu bei, dass eine positive Grundstimmung herrscht, in der zumindest ich mich sehr wohl fühle.
Meine Prioritäten liegen anders und wenn ich einen Tag mit den Problematiken des Marmeladekochens und Brotbackens verbracht habe, hat mich das der Amerikanischen Kultur mit Sicherheit genauso nah gebracht wie eine Hausparty mit roten Pappbechern in der Collegetown. Nur eben auf eine andere Art und Weise. Der Austausch mit meinen Mitbewohnerinnen über Brot und seine Herstellung und alles was mit kochen und backen verbunden ist fand ich jedenfalls bereichernd in vielerlei Hinsicht.

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